Waterkampioen watersport magazine

Der Fall der Sturmschäden.

Löst sich ein Schiff von seinem Liegeplatz und verursacht einen Schaden an einem anderen Schiff, ist der Eigentümer verantwortlich. Ein Sturm, auch wenn er extreme Windböen mit sich bringt, ist keine „höhere Gewalt“.

Im Jachthafen von Alphen aan de Maas lag das Segelboot von Dirk Zoontjes neben dem Schiff von Jan de Boer. Während eines schweren Sturms riss die Festmacherleine der Tulp, dem Schiff von De Boer. Die Tulp löste sich und trieb gegen die Argonaut, das Schiff von Zoontjes, und beschädigte die Argonaut. Zoontjes war ordnungsgemäß versichert und forderte den Schaden in Höhe von etwa 5.000 Euro von seiner Versicherung, die den Betrag auch auszahlte. Der Versicherer machte daraufhin De Boer für den entstandenen Schaden haftbar. Da De Boer auch versichert war, wurde der Schriftverkehr von seinem Versicherer übernommen. Beide Versicherer begannen, sich gegenseitig zu bekämpfen.
Der Versicherer von Zoontjes schaltete Herrn Hommersom ein. Er argumentierte, dass De Boer verschuldensunabhängig für den Schaden hafte, da das Schiff, das den Schaden verursacht habe, sein Eigentum sei. Zoontjes machte geltend, dass De Boer den Schaden aufgrund einer rechtswidrigen Handlung zu verantworten habe, weil er nicht ausreichend darauf geachtet habe, dass sein Schiff keinen Schaden anrichtet.

De Boers Versicherer bestritt jedoch den Anspruch und erklärte: „Soweit eine Ursache angegeben werden kann, halte ich dies für eine höhere Gewalt. Meiner Meinung nach kann unser Versicherter nicht für das Auftreten oder die Verstärkung eines Sturms haftbar gemacht werden. De Boer argumentierte, dass es sich um einen sehr extremen Sturm gehandelt habe, der an Orkanstärke grenze, und dass dies daher eine Einrede der höheren Gewalt darstelle. De Boer legte Berichte des Königlichen Niederländischen Meteorologischen Instituts (KNMI) vor, aus denen hervorging, dass der Sturm so extrem war, dass keine Vorsichtsmaßnahmen geholfen hätten. Zoontjes‘ Versicherer antwortete mit einer Analyse derselben Berichte, aus der hervorging, dass es nur wenige extreme Windböen gegeben hatte. Und extreme Windböen gelten nicht als extremer Sturm, dafür muss es strukturelle Windgeschwindigkeiten über einer bestimmten Stärke geben. Auch eine Berufung auf höhere Gewalt konnte keinen Erfolg haben, da der bedauerliche Sturm lange im Voraus vorhergesagt worden war. Die Parteien konnten sich nicht einigen, und Herr Hommersom rief De Boer vor, der von seinem Versicherer vertreten wurde.
Das Urteil des Unterbezirksgerichts war eindeutig. Buch 8 Titel 11 des Bürgerlichen Gesetzbuchs behandelt die Vorschriften für die Binnenschifffahrt bei Kollisionen. Nach Ansicht des Bezirksgerichts war die Tulip nicht so angelegt, „dass sie durch eine Änderung ihrer Position keine Gefahr oder Behinderung für andere Schiffe darstellen konnte“. Schließlich war die Festmacherleine gerissen. Und da die Festmacherleinen zur Schiffsausrüstung gehören, war das Schiff die Ursache für die Entstehung einer besonderen Gefahr für andere Schiffe. Da De Boer eingeräumt hat, dass er sich des herannahenden schweren Sturms bewusst war, hätten die Leinen, die er zum Festmachen seines Schiffes wählte, entsprechend berechnet werden müssen.

Das Bezirksgericht kam zu dem Schluss, dass eine unerlaubte Handlung vorlag; De Boer hatte gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen. Die Berufung auf höhere Gewalt wurde zurückgewiesen. Die Festmacherleinen müssen so ausgelegt sein, dass sie Windböen und Sturm standhalten. De Boer wurde vorgeworfen, er habe den Sturm rechtzeitig bemerkt und hätte daher ausreichend starke Festmacherleinen wählen müssen und können. Das Bezirksgericht berücksichtigte auch, dass sich die Tulip losgerissen hatte, dass aber die Eigner anderer, schwerer Schiffe ihre Schiffe ordnungsgemäß festmachen konnten. Das Bezirksgericht kam auch zu dem Schluss, dass ein sehr starker Sturm, der rechtzeitig angekündigt wurde, keine außergewöhnliche Situation darstellt, die zu höherer Gewalt führt. Der Versicherer von De Boer wurde verurteilt, Zoontjes eine Entschädigung zu zahlen.

Moral: Auch wenn Sie glauben, dass Ihr Schiff gut registriert ist, sollten Sie es immer selbst überprüfen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Weitere Informationen oder ältere Artikel zum Herunterladen: https://www.anwb.nl/kampioen/algemeen/digitaal-archief

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