Waterkampioen watersport magazine

Der Fall der Schelte.

Ein Fall, über den das letzte Wort noch nicht gesprochen wurde. Herr Ondiep dachte, er hätte das Boot seiner Träume gefunden, aber stattdessen stellte sich heraus, dass er ein Boot gekauft hatte, das in einen Brand geraten war. Herr Hommersom hält diesen Fall für den bisher bizarrsten in seiner Praxis.

Der Fall war folgender: Nach langer Suche fand Hans Ondiep das Schiff seiner Träume auf einer Werft in Zentralbrabant. Er hatte eine Länge von fast vierzehn Metern und eine Breite von über vier Metern. Er wurde für die CE-Kategorie B gebaut und mit leistungsstarken Motoren ausgestattet. Nach Angaben der Werft hatte der ursprüngliche Kunde dieses Boot zurückgebucht, weshalb es für die Saison 2006 für 450.000 € zum Verkauf stand. Das Boot wurde in den höchsten Tönen gelobt. Kein Wort wurde über die Katastrophe verloren, die das Schiff am 6. Januar 2005 heimgesucht hatte (dazu unten mehr). Hans Ondiep war vom Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung an eng in den Bau und die Fertigstellung des Schiffes eingebunden. Als ehemaliger Offshore-Mitarbeiter hatte er einen technischen Hintergrund. Doch schon während der Bauarbeiten musste er einräumen, dass die Werft in verschiedenen Bereichen Fehler gemacht hatte. Die Installation von Schalttafeln sei inakzeptabel, ebenso wie die Installation des Schiffstelefons. Ondiep bekam das Gefühl, dass es auf dieser Werft keine Erfahrung mit dem Bau von Yachten gab. Die Reparaturen führten zu hässlichen Narben am Schiff. Es stellte sich auch heraus, dass eine Reling am Heck des Bootes nicht angebracht worden war, obwohl dies von der CE-B-Norm gefordert wird. Im April 2006 fand eine Probefahrt mit dem Schiff statt, bei der Fotos gemacht werden sollten. Eine der Pumpen machte viel Lärm.

Beim Öffnen stellte sich heraus, dass sie Holzkohle enthielt. Holzkohle? Die Tatsache, dass das Fett der Zahnräder verseift zu sein schien, war ein Beweis dafür, dass die Pumpe unter Wasser gestanden hatte und offenbar Holzkohle angesaugt hatte. Dies war für Hans Ondiep ein Grund, einen Verdacht zu äußern. Zu seiner Überraschung erfuhr er kurz darauf, dass das Schiff im Januar 2005 in einen Brand in der Werft verwickelt war. Von diesem Moment an tat Ondiep alles, um herauszufinden, was mit seinem Schiff geschehen sein könnte. Er erfuhr, dass zwei Unternehmen eine Besichtigung durchgeführt hatten, aber keines von ihnen wollte die Fotos, die offenbar von dem Schiff gemacht worden waren, zur Verfügung stellen und verwies ihn an den Versicherer. Der Versicherer weigerte sich jedoch auch, die Fotos des Schiffes zur Verfügung zu stellen, da die Werft bei demselben Versicherer versichert war. Dieser Versicherer versteckte sich hinter dem Argument, dass er die Fotos nicht veröffentlichen dürfe, wenn die Werft keine Erlaubnis dazu gegeben habe. Im Laufe des Jahres 2006 traten immer mehr größere und kleinere Mängel am Schiff auf, die Ondiep gemeinsam mit der Werft zu beheben versuchte, auch um mehr Informationen über den Brand zu erhalten. Es wurde immer schlimmer: Die Werft konnte oder wollte die Mängelliste nicht abschließen und ignorierte auch die Bitten von Ondiep, zu klären, was mit dem Schiff geschehen war.

Im November 2006 trafen sich die Parteien zu einem letzten Versuch, eine Lösung zu finden, und es wurde ein so genanntes Gentlemen’s Agreement ausgearbeitet, in dem festgelegt wurde, was die Werft noch tun musste, um das Schiff akzeptabel zu machen. Es handelt sich um eineinhalb A4-Seiten. Um diese Zeit gibt der Direktor der Werft zum ersten Mal widerwillig zu, dass es auf dem Schiff einen kleinen Brand gegeben hat, und zwar in der Toilette, wo nur die Innenverkleidung beschädigt ist. Im Winter 2006/2007 sind die Arbeiten am Schiff in vollem Gange, doch bei der Auslieferung stellt sich heraus, dass viele Dinge nicht wie vereinbart fertiggestellt wurden. Hans Ondiep hatte keine andere Wahl, als eine große Anzahl von Arbeiten selbst auszuführen. Das ist nicht einfach, denn es fehlen das Handbuch und der Schaltplan des Schiffes. Die Werft schafft es dann, Herrn Ondiep eine Rechnung für zusätzliche Arbeiten zu schicken, die im Zusammenhang mit den CE-Vorschriften hätten durchgeführt werden müssen! Auch im Jahr 2007 ging es weiter bergab, aber Herr Ondiep ließ nicht locker, um zu untersuchen, was mit seinem Schiff geschehen war. Schließlich hatte Herr Ondiep genug und suchte Anfang 2008 Herrn Hommersom auf, der die Werft für säumig und schadensersatzpflichtig erklärte.

Gutachten
Nach zahllosen Informationsanfragen und immer wieder gegen eine Mauer rennend, erhält Ondiep schließlich die Fotos des Brandes, die von den Versicherungsexperten Anfang 2008 gemacht wurden. Es bewahrheitete sich, was Hans Ondiep schon befürchtet hatte: Es handelte sich nicht um ein minimales Feuer in der Toilette, sondern das Schiff war bis auf den Stahl niedergebrannt. Einige Zitate aus dem Gutachten: „Die Lackierung des Rumpfes ist etwa 1/3 vom Bug entfernt durch Hitze stark beschädigt“, „der Rumpf des Vorschiffs ist auf beiden Seiten knapp oberhalb der Wasserlinie durch Hitze verformt“, „die gesamte Inneneinrichtung ab dem Steuerhaus ist durch das Feuer vollständig zerstört“, „nachdem das Schiff von den Brandrückständen befreit war, schienen die Dächer des Steuerhauses und des Salons durch Hitze verformt zu sein“. Kleines Feuer auf der Toilette? Das Schiff ist durch das Feuer so stark beschädigt worden, dass sich sogar der Stahlrumpf durch die Hitze verformt hat.

Jetzt versteht Herr Ondiep auch, warum er in den letzten Jahren ständig undichte Stellen an den Fenstern hatte. Es stellt sich heraus, dass die Werft ihm ein völlig ausgebranntes Wrack verkauft hat, das dann gewissermaßen renoviert wurde! Aber es kommt noch verrückter: Ondiep sieht Dokumente, aus denen hervorgeht, dass die Werft einen Versicherungsanspruch von über 375.000 Euro als Folge des Brandes angemeldet hat! Die Werft hat also zweimal für das Schiff kassiert, nicht nur von Ondiep für einen Betrag von 450.000 €, sondern auch von der Versicherung. Für Hans Ondiep ist nun klar: Er hat nicht das bekommen, was er zu erwarten hatte, und er will den Vertrag auflösen. Ondiep selbst fühlt sich von der Werft betrogen und übers Ohr gehauen. Die Werft hat ihm nie etwas über den Brand erzählt und darauf bestanden, dass das Schiff in gutem Zustand war.

Herr Hommersom schreibt auf der Grundlage dieser Feststellungen an die Werft und erhält zu seiner Überraschung vom Anwalt der Werft die Antwort, dass mit dem Schiff alles in Ordnung sei. Er erhält sogar ein Gutachten von einem Sachverständigen, der behauptet, das Schiff entspreche den CE-Normen. Nachdem wir den Besichtiger mit dem tatsächlichen Stand der Dinge und dem Zustand des Schiffes konfrontiert hatten, stellte sich heraus, dass die Werft ihn dazu verleitet hatte, einen Bericht zu erstellen, der auf falschen Informationen beruhte, obwohl er das Schiff nicht einmal gesehen hatte! Ist dies das Ende für Ondiep?

Leider nicht. Abgesehen von dem Brand entspricht das Schiff jedoch in keiner Weise den CE-Vorschriften. Die Werft hatte eine CE-Bescheinigung ausgestellt, durfte dies aber nicht mehr tun. Außerdem weicht das Schiff offenbar in zahlreichen Punkten von dem Prototyp ab, für den die CE-Bescheinigung ausgestellt wurde. Die Badeleiter ist unter Wasser nicht tief genug, die Sicht auf den Hauptsteuerstand ist unzureichend und die vorgeschriebene maximale Höhe von 120 Zentimetern zwischen einer festen Stufe und der Fluchtluke im Deck im Vorschiff ist zu hoch, so dass eine Flucht im Notfall unmöglich ist. Kurz gesagt: eine traurige Liste von Mängeln. Für Herrn Hommersom gibt es nur eine Möglichkeit: den Kaufvertrag rückgängig zu machen und den von Ondiep erlittenen Schaden zu ersetzen. Der Fall ist vor dem Bezirksgericht Breda anhängig.

Weitere Informationen oder ältere Artikel zum Herunterladen: https://www.anwb.nl/kampioen/algemeen/digitaal-archief

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Frits Hommersom met groene bril

"Sie haben das Recht auf einen Anwalt, der Ihnen sagt, was Sie tun sollen!

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