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Passt die Versicherung zum Schiff?

Es gibt doch nichts Schöneres, als ein gebrauchtes Segelboot mit allen möglichen Anschaffungen und Details zu verbessern und zu verschönern. Herr und Frau Schmitz haben die Erfahrung gemacht, dass dabei manchmal andere Details aus den Augen verloren werden.

Vor zehn Jahren kauften Herr und Frau Schmitz ein gebrauchtes Stahlkajütboot von etwa 15 Metern Länge, mit dem sie nach ihrer Pensionierung die europäischen Gewässer bereisen wollten. Die Anschaffung war nicht teuer, aber sie mussten erhebliche Investitionen tätigen, um ihr Segelvergnügen zu optimieren. Im Laufe der Jahre wurde der Innenausbau für rund 40 000 Euro komplett erneuert und ein neuer Iveco-Motor mit Python Drive für rund 25 000 Euro eingebaut. Für einen Betrag von etwa 6 000 Euro wurden alle Bänke im Schiff neu gepolstert und die Vorhänge und Matratzen ersetzt. Mit allen Modifikationen am Schiff beliefen sich die Investitionen in einigen Jahren auf etwa hunderttausend Euro. Und dann geschah das Undenkbare: Während die Türen im vorderen Bereich lackiert wurden, brach im Heck ein Feuer aus. Trotz der Hilfe aller Beteiligten im Hafen konnte ein erheblicher Schaden am Schiff nicht verhindert werden.

Schmitz reichte seine Forderung bei seinem Versicherer ein. Seine Yacht war mit einer so genannten Versicherungssumme (Feste Taxe) von 110 000 Euro plus 20 000 Euro für das Antriebssystem versichert. Der Hausrat war mit zwanzig Prozent des Versicherungswerts der Yacht versichert, also mit etwa 22 000 Euro. Der Sachverständige kam vorbei und ermittelte eine Schadenssumme von 55 000 Euro. Der Versicherer zahlte diesen Betrag jedoch nicht aus und berief sich auf eine Unterversicherung.

Unterversicherung
Im Falle einer Unterversicherung ist die Versicherungssumme niedriger als der tatsächliche Wert. Das Gesetz besagt, dass ein Versicherer nicht verpflichtet werden kann, mehr als die Versicherungssumme zu zahlen. In einem solchen Fall kann die Entschädigung anteilig zum Grad der Unterversicherung gezahlt werden. Die Zahlung wird nach folgender Formel berechnet: Zahlung = (Versicherungssumme/Istwert) x Schadenhöhe Im Fall von Schmitz bedeutete dies Folgendes: Das Boot (einschließlich Inhalt) war für 152 000 Euro versichert. Der Schaden beläuft sich auf 55 000 Euro. Nach Überprüfung der Versicherungssumme stellte sich heraus, dass der tatsächliche Wert der Yacht vor dem Schaden 180 000 Euro betrug. Nach Anwendung der obigen Formel: 152K/180K x 55K ergibt eine Schadensersatzzahlung von 46.444,44 Euro. Vom Schaden bleibt Schmitz auf fast 9.000 € sitzen. Die Versicherungssumme war um 28.000 € zu niedrig, wofür im Übrigen auch proportional weniger Prämie gezahlt worden war.

Versicherungssumme rechtzeitig anpassen.
Schmitz erlitt einen solchen Schlag, weil er den Versicherungswert in seiner Police nie angepasst hatte. Bei einer Versicherung auf der Grundlage der Versicherungssumme wird beim Abschluss der Versicherung ein fester Betrag festgelegt, der im Schadensfall als Ausgangspunkt dient, unabhängig davon, ob er auf einem Gutachten beruht oder nicht. Wenn sich der Wert eines Bootes erhöht, z. B. weil Sie erhebliche Investitionen/Verbesserungen am Boot vornehmen, die weit über die normale Instandhaltung hinausgehen, bleibt die ursprüngliche Versicherungssumme gültig, solange Sie nicht z. B. eine neue Bewertung vornehmen lassen. Die Arbeit von Schmitz, die sehr wohl den Wert des Schiffes erhöht habe, führte jedoch nicht zu einer höheren Auszahlung. Der Wert des Schiffes war im Laufe der Jahre auf 180.000 Euro gestiegen, aber er wurde nur auf der Grundlage der Versicherungssumme von 152.000 Euro entschädigt, die eben nicht erhöht wurde. Die Position des Versicherers entsprach genau den Versicherungsbedingungen; Schmitzens Investitionen hatten sich buchstäblich „in Luft aufgelöst“.

TIPP: Zweifellos werden Sie auch in Ihre Yacht investieren, nicht nur wegen der regelmäßigen Wartung, sondern auch, weil ein Motor ersetzt werden muss oder Sie die Innenausstattung modernisieren wollen. Wenn diese Investitionen zu einer Wertsteigerung der Yacht führen, sollten Sie dies festhalten und die Yacht gegebenenfalls neu bewerten lassen. Dies kann in regelmäßigen Abständen oder nach einer größeren Überholung, z. B. einem neuen Motor, geschehen. In den meisten Fällen ist eine solche Neubewertung kostenlos. Die geringe Erhöhung der Prämie wiegt bei weitem den enormen finanziellen Schaden auf, der entsteht, wenn die Yacht durch die einen Schaden verloren geht. Vergewissern Sie sich schließlich, dass Sie eine ordnungsgemäße Inventarliste führen, damit Sie im Schadensfall dem Versicherer den Inhalt leicht nachweisen können.

Premier-Risko-Klausel.
Bitte beachten Sie! Es handelt sich hierbei um sogenanntes Privatrecht. Ein Versicherer kann etwas anderes vereinbaren. Die so genannte „premier risque“-Klausel bedeutet, dass der Schaden unabhängig davon, ob eine Unterversicherung vorliegt, vollständig ersetzt wird, solange er unter der Versicherungssumme bleibt. Prüfen Sie Ihre Police!

Überversicherung.
Der umgekehrte Fall ist übrigens die Überversicherung: wenn die Versicherungssumme höher ist als der tatsächliche Wert. Da das Gesetz vorsieht, dass ein Versicherter nach einem Schaden nicht besser gestellt werden darf (Entschädigungsprinzip), ist die Entschädigung auf den tatsächlichen Wert der Yacht begrenzt. Jeder Schaden wird in vollem Umfang ersetzt, aber der Versicherte erhält nie mehr als den tatsächlichen Wert der Yacht bei einem Totalverlust, auch wenn Sie zuvor eine Prämie für einen höheren Wert gezahlt haben. Es lohnt sich also auch hier, aufmerksam zu sein.

Hinweis: Das Geschriebene bezieht sich auf Niederländisches Recht und dortige Versicherer, es findet auch für Deutsche, die ihre Schiffe bei einer Niederländischen Gesellschaft versichern Anwendung. Regelungen nach Deutschem Recht und Versicherern können anders sein. Lesen Sie daher unbedingt ihre Versicherungsbedingungen genau durch und besprechen Sie Rückfragen dazu am besten schriftlich mit ihrer Versicherer oder dem Versicherungsmakler. Achten Sie darauf, dass alle ihre Rückfragen im Beratungsprotokoll vermerkt sind.

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