KNMC watersport magazine

Der Fall des selbstgebauten Schiffes

Herr Radcliffe dachte, er würde ein originales Breehorn kaufen. Nach dem Kauf stellte sich heraus, dass es sich um ein selbst zusammengebautes Boot handelte, für das Breehorn nur den Rumpf und den Motor gebaut hatte. Kürzlich in der Zeitung: Ein Gemälde, das Rembrandt zugeschrieben wird, entpuppt sich als ein Werk eines seiner Schüler! Dieser Rückschlag, der nicht nur künstlerische, sondern auch finanzielle Folgen hat, kann auch bei Schiffen auftreten. So wurde vor kurzem ein Schiff als Originalentwurf von Pieter Beeldsnijder verkauft, während der Käufer behauptete, es handele sich um eine Umgestaltung eines bestehenden Schiffstyps.

Aber auch der Fall von Mr. Radcliffe kam kürzlich in meiner Praxis zur Sprache: Mr. Radcliffe ist Engländer und sah eine Anzeige, in der ein sehr schöner Breehorn 37 in fantastischem Zustand erwähnt wurde. Ein absolutes Must-Have. Herr Radcliffe suchte den Verkäufer auf, der ihm das Boot zeigte. In der Tat war es ein schönes Boot und auf den ersten Blick auch in einem vernünftigen Zustand. Das Lob für die Breehorn-Werft und die vermutete Qualität haben Herrn Radcliffe überzeugt. Leider hatte er die Folgen der Vertragsklausel über das Einsichtsrecht nicht erkannt, die leider immer noch in Kaufverträgen vorkommt.

immer noch in Kaufverträgen vorkommt. Danach besteht das Besichtigungsrecht erst nach Vertragsschluss und das Rücktrittsrecht nur bei Mängeln, deren Reparaturkosten z. B. mehr als 10 % des Kaufpreises betragen. Bei der Inspektion wurde der Zustand des Breehorns insgesamt als gut befunden. Es gab nur ein Problem mit dem Gassystem. Da es keine technischen Unterlagen gab, untersuchte der Besichtiger das Schiff und stellte fest, dass es keine CE-Kennzeichnung hatte. Da das Schiff nach 1998 gebaut wurde, sollte es über eine solche verfügen. Die Werft gab die kuriose Erklärung ab: „Das Schiff wurde vom ersten Eigentümer fertiggestellt“. Der Verkäufer gestand dann, dass er in der Broschüre nicht erwähnt hatte, dass zwar der Rumpf und der Motor von Breehorn gebaut worden waren, er aber den Rest des Bootes – Innenausstattung, Deck und Takelage – selbst gebaut hatte. Jetzt war alles vorbei! Herr Radcliffe hatte sein Vertrauen in das Schiff verloren und weigerte sich, es zurückzunehmen. Der Verkäufer drohte mit rechtlichen Schritten, und Herr Radcliffe besuchte Herrn Hommersom.

Hatte der Verkäufer das geliefert, was die Parteien vereinbart hatten, oder hatte er nicht geliefert? Herr Radcliffe erklärte, dass der Hinweis, dass es sich um ein originales Breehorn handelt, für ihn ein entscheidendes Argument für den Kauf des Bootes gewesen sei. Da nun bekannt war, dass es sich nicht um einen originalen Breehorn handelte, würde der Wert des Schiffes um zehn bis dreißig Prozent sinken. Inwieweit trifft den Verkäufer nun die Schuld, dass er nicht gesagt hat, dass er das Boot selbst fertiggestellt hat?

Der Käufer hätte Radcliffe selbstverständlich umfassend informieren und beispielsweise in der Anzeige angeben müssen, dass er das Boot selbst fertiggestellt hat. Die Spannung bestand darin, dass in der Broschüre von einem Breehorn die Rede war und dass der Verkäufer streng genommen einen Breehorn geliefert hatte, nämlich einen von Breehorn gebauten Rumpf und Motor, sogar mit HIN-Nummer. Es war dann an Herrn Radcliffe zu beweisen, dass für ihn die Überlegung, dass es sich um ein völlig originales Breehorn handelte, ausschlaggebend war, und dass er dies dem Verkäufer gegenüber auch so gesagt hätte. Ein kniffliges Problem. Was war sein Verlust? Der Gutachter hatte festgestellt, dass das Boot vom Verkäufer sehr gut gebaut worden war und in mancher Hinsicht sogar solider war als die ursprüngliche Breehorn-Version. Damit bliebe nur noch das Argument einer angeblichen Wertminderung übrig, aber auch das müsste von Radcliffe nachgewiesen werden, mit Vermessung und allen damit verbundenen Verfahrenskosten. Ich habe schließlich eine Lösung gefunden.

Die von mir festgestellten Mängel wurden von der Breehorn-Werft behoben. Obwohl es sich um ein selbst gebautes Schiff handelte und im Prinzip keine CE-Kennzeichnung erforderlich war, wurde eine so genannte „nachträgliche Kontrolle“ durchgeführt und die Kennzeichnung erteilt. Dadurch wurde das Vertrauen von Herrn Radcliffe in das Schiff wiederhergestellt.

Tipp: Wenn es Ihnen wichtig ist, dass das Schiff von einer bestimmten Werft gebaut wurde oder von einem bestimmten Konstrukteur stammt, machen Sie dem Verkäufer immer ausdrücklich klar, dass diese Merkmale für Sie sehr wichtig sind, und verlangen Sie vor Vertragsabschluss einen Nachweis über die Originalität des Schiffes.

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