KNMC watersport magazine

Bergungskosten.

Bergungskosten sind die Kosten, die entstehen, um während oder nach einem Schadenereignis weitere Schäden zu verhindern oder zu mindern.

Herr De Wit hat im Juni 2018 ein Motorschiff ersteigert. Nach dem Kauf wurde es in einem Salzwasserhafen festgemacht. Am nächsten Morgen erhielt er zu seinem Entsetzen einen Anruf von der Abteilung für öffentliche Arbeiten: Sein frisch erworbener Stolz lag auf dem Grund des Hafens. De Wit meldete den Schaden sofort seinem Versicherer, der einen Schadenssachverständigen schickte. Am Nachmittag war das Boot bereits gehoben und zu einer Werft gebracht worden. Der Schadenssachverständige hatte die Dinge ins Rollen gebracht, als er am Morgen am Tatort eintraf. Der Besichtiger besprach auch mit der Werft, was an dem Schiff getan werden muss, um weitere Schäden abzuwenden, also Bergungsarbeiten. Das Schiff war mit Salzwasser gefüllt und der Motor musste so schnell wie möglich gespült werden, um irreparable Schäden zu vermeiden. Die Spülung des Motors und des Kraftstoffsystems wird von der Werft in Auftrag gegeben. Mehr als ein Jahr später erhielt De Wit schließlich eine Schadensersatzzahlung in Höhe von 17.500 €. Was der Versicherer jedoch nicht zahlte, war ein Betrag von 4.750 Euro für die von der Werft durchgeführten Arbeiten. De Wit hatte diesen Betrag jedoch bereits im Voraus bezahlt! Der Schadensregulierer hatte De Wit mitgeteilt, dass er die Jacht nicht bekommen würde, wenn er die Rechnung der Werft nicht im Voraus bezahlte.
im Voraus bezahlt. De Wit hielt dies für seltsam, da es sich doch um Kosten handelte, die vom Versicherer zu tragen waren?

In seiner Verzweiflung zahlte er und vertraute darauf, dass der Versicherer ihm diese Kosten erstatten würde. Das stimmt nicht. Inzwischen stellte sich heraus, dass die Spülung des Motors und des Kraftstoffsystems nicht ordnungsgemäß durchgeführt worden war. Der Tank und die Leitungen waren noch mit Meerwasser gefüllt, so dass beim erneuten Anlassen des Motors erneut korrosives Meerwasser eindrang. Der Motor musste noch einmal gespült werden, was weitere 1.750 Euro kostete. De Wit war der Ansicht, dass diese zusätzlichen Kosten ebenfalls vom Versicherer zu tragen sind, da die Werft die Arbeiten nicht ordnungsgemäß ausgeführt hatte. Der Versicherer hat sich geziert, nicht zu zahlen. In der Rechnung der Jachtwerft heißt es u. a: durchgeführte Arbeiten, die darin bestanden, den Motor und das Kraftstoffsystem zu spülen“. Es handele sich dabei nicht um notwendige Arbeiten, sondern um Reparaturen/Verbesserungen am Schiff, so der Versicherer, und das Gericht ließ diesen Einwand nicht gelten. Das Gericht befand, dass die von der Werft durchgeführten Arbeiten als Bergungskosten zu betrachten sind, die daher vom Versicherer zu tragen sind. Was die Erstattung der Rechnung für die zweite Spülung betrifft, so wollte das Gericht wissen, wer die Werft überhaupt mit den Bergungsarbeiten beauftragt hatte. Sollte sich nämlich herausstellen, dass der Auftrag nicht im Namen der Versicherungsgesellschaft erteilt worden war, würden die Kosten für die zweite Spülung von De Wit getragen. De Wit musste beweisen, wer also der Auftraggeber war. Der Besichtiger hatte das Schiff als Erster begutachtet und alle Aufträge erteilt. Der Versicherer hatte dies zuvor eingeräumt, später aber wieder bestritten. Das Problem war, dass De Wit die Rechnung selbst im Voraus bezahlt hatte und sein Name auf der Rechnung stand. Dies ermöglichte es dem Versicherer, Zweifel daran zu äußern, wer denn nun als Auftraggeber anzusehen sei. Bei der Zeugenbefragung stellte sich jedoch bald heraus, dass De Wit selbst nie mit der Werft Kontakt aufgenommen hatte und dass der Gutachter der Einzige war, der mit der Werft Kontakt aufgenommen hatte. Damit wurde die Haftung des Versicherers festgestellt. Daher wurden schließlich alle Kosten erstattet. De Wit musste 2,5 Jahre lang prozessieren.

Tipp: Legen Sie im Schadensfall genau fest, was zu tun ist und wer den Auftrag zur Bergung oder Reparatur erteilt. Lassen Sie Kostenvoranschläge vorher vom Versicherer prüfen und lassen Sie sich nicht zu schnell mit der Aussage abspeisen, dass bestimmte Kosten keine Bergungskosten sind. Schicken Sie die Rechnungen direkt an den Versicherer, ohne sie selbst im Voraus zu bezahlen. So vermeiden Sie eine unangenehme Diskussion im Nachhinein.

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