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Gute Seemannschaft und Haftung

Auf der Straße nennen wir sie Vorfahrtsregeln, aber auf dem Wasser sprechen wir von Ausweichregeln. Als Schiffsführer sind Sie verpflichtet, alles zu tun, um einen Zusammenstoß zu verhindern. Das nennt man gute Seemannschaft. Wie im Straßenverkehr (WVW) müssen wir auch auf dem Wasser die Regeln der Binnenschifffahrtspolizeiverordnung (BPR) einhalten. Wenn Sie das nicht tun, sind Sie grundsätzlich schadenersatzpflichtig. Und umgekehrt: Wenn ich alles nach Vorschrift mache, bin ich dann abgesichert? Nun, nein. Anders als auf der Straße gibt es auf dem Wasser einen sehr wichtigen, so genannten „offenen Standard“: gute Seemannschaft.

Nur nicht.
Wenn Sie sich an die Regeln halten, werden Sie in der Regel eine gute Seemannschaft haben. Die Grundregeln des Ausweichens sind einfach: Lee weicht vor Lee; Motor weicht vor Muskelkraft und Motor weicht vor Segel. Noch wichtiger ist, dass Sie zwar die Vorfahrt haben, sie aber niemals nehmen sollten. Gute Seemannschaft bedeutet auch, dass Sie sich nicht in eine „Last-Minute“-Situation begeben wollen. Aufpassen und einschätzen, was andere Wassernutzer tun, ist Pflicht und kann viele Ärgernisse verhindern. Manchmal kann man eine Situation verhindern, in der man „einfach nicht“ fahren kann, indem man einfach den Fuß vom Gaspedal nimmt oder, im Gegenteil, die Geschwindigkeit erhöht. Man ist ein guter Segler, wenn man es nicht auf die Vorfahrtsregeln ankommen lässt.

Kreuzende Schiffe.
Die Regeln für Ausweichmanöver sind besonders wichtig, wenn sich Schiffe kreuzen. Ein klassisches Beispiel: Ein Schiff fährt am Steuerbordufer der Hauptwasserstraße, und ein anderes Schiff kommt von der Steuerbordseite eines Nebengewässers. Die Hauptregel ist klar: Das Schiff, das auf dem Hauptwasser nach Steuerbord segelt, hat Vorfahrt vor kreuzenden Schiffen. Aber vielleicht kennt der Skipper die Regeln nicht oder hat nicht in die Karte geschaut? In diesem Fall kann von dem Schiff, das Vorrang hat, erwartet werden, dass es Maßnahmen ergreift, um eine Kollision zu verhindern. Geschieht dies nicht, geht der gesamte Schaden mit Sicherheit nicht auf das Konto des kreuzenden Schiffes.

Mit-Haftung.
Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist eine frühere Kollision bei Terneuzen. Die Verkehrsleitzentrale hatte beide Schiffe über die Anwesenheit eines anderen Schiffes auf Kreuzungskurs informiert, aber keines der beiden Schiffe nahm über UKW-Funk Kontakt mit dem anderen auf. Obwohl ein Schiff einen Fehler gemacht hatte, indem es nicht auswich, entschied das Gericht, dass das Schiff, das auswich, auch für den Schaden mitverantwortlich war (bei einer Aufteilung von 75-25 %). Einige der Erwägungen des niederländischen Seegerichtshofs lauteten: „Die Verfolgung der Position ist eine Frage der guten Seemannschaft“, „Von einer Reisevorbereitung kann keine Rede sein“ und „Die Kursänderungen in dieser Phase scheinen nicht durch gute Seemannschaft veranlasst worden zu sein. Ein Schnellbootfahrer, der nicht bedacht hatte, dass seine Heckwelle einem anderen Schiff Probleme bereiten könnte, wurde ebenfalls zur Verantwortung gezogen. Bei Segelwettbewerben sind die Wettbewerbsregeln führend. Bei fast allen Rennen auf öffentlichen Gewässern (die nicht ausschließlich abgegrenzt sind) bleibt die BPR in Kraft. Sie sollten also immer eine gute Seemannschaft an den Tag legen, auch wenn Sie das einen besseren Platz oder sogar den Sieg kosten könnte.

Vorsichtsmaßnahmen (Art. 1.04):
„Der Schiffsführer hat auch bei Fehlen ausdrücklicher Vorschriften in dieser Ordnung alle Vorkehrungen zu treffen, die die gute Seemannschaft oder die Verhältnisse, in denen sich das Schiff oder der Verband befindet, erfordern, um insbesondere zu vermeiden: das Leben von Personen zu gefährden; Schäden an anderen Schiffen oder schwimmenden Gegenständen oder an Ufern oder an Anlagen und Einrichtungen jeder Art, die sich in der Wasserstraße oder an ihren Ufern befinden, zu verursachen; die Sicherheit oder den reibungslosen Ablauf der Schifffahrt zu gefährden.“ Abweichung von den Vorschriften (Art. 1.05) „Der Schiffsführer muss im Interesse der Sicherheit oder der Ordnung der Schifffahrt (…) nach Maßgabe der guten Seemannschaft von den Bestimmungen dieser Vorschriften abweichen.“

Weitere Informationen finden Sie unter: blog.botentekoop.nl

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